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Knochenaufbau (Knochenaugmentation)
Indikationen, Gründe, Methoden und Kosten eines Knochenaufbaus

Inhaltsverzeichnis

» Wann ist ein Knochenaufbau notwendig?
» Gründe für Knochenabbau
» Unterteilung von Schweregraden
» Das Knochenersatzmaterial
» Behandlungsmethoden
» Risiken beim Knochenaufbau
» Dauer der Heilung
» Alternativen zum Knochenaufbau
» Kosten für Knochenaufbau
» Kostenübernahme der Krankenkasse?
» Knochenaufbau im Ausland

 

Ein Knochenaufbau wird notwendig, wenn die Menge an Knochen nicht ausreicht oder die Kieferknochenstruktur nicht stimmt, um ein Zahnimplantat fest im Kiefer zu verankern. Grund hierfür ist Knochenschwund bzw. Knochenabbau, der in Folge von Zahnlosigkeit oder Zahnerkrankungen entstanden ist und ohne eine adäquate Behandlung weiter fortschreitet. In diesem Fall ist auch das übrige Gebiss von schweren Folgen für die Zahngesundheit und weiterem Zahnverlust bedroht.

Erfahrungsgemäß hat sich gezeigt, dass ein dichterer Kieferknochen Zahnimplantate deutlich besser annimmt als ein dünner, poröser Knochen. Somit gilt: Je höher und dicker der Kieferknochen ist, desto besser sind die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Einsetzen von Zahnimplantaten.

Der Knochenaufbau – oder wie es fachlich richtig heißt: die Kieferaugmentation oder Kieferaufbau – ist also die operative Methode, den zahnlosen Anteil des Ober- und Unterkiefers aufzubauen. 

Indikation – Wann ist ein Knochenaufbau notwendig?

Noch bis Ende der Neunzigerjahre wurde der Knochenaufbau allein zur Verbesserung und Stabilität von Prothesen und Prothesenlagern eingesetzt. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Mit der Weiterentwicklung der Implantologie – und damit von Zahnimplantaten – wird ein Knochenaufbau heutzutage fast ausschließlich in Kombination mit einer Implantat-Versorgung durchgeführt.

Dafür sind unterschiedliche Gründe verantwortlich. Zum einen kann mit dem Knochenaufbau ein ausreichend großes Knochenvolumen aufgebaut werden, um ein Zahnimplantat sicher und fest verankern zu können. Zum anderen kann durch das Implantieren von Knochenersatzmaterial das natürliche Knochenwachstum angeregt, und so einem Knochenabbau entgegengewirkt werden. Dies wirkt sich auch positiv auf die Nachbarzähne bzw. die Zahngesundheit aus, da das Risiko für weiteren Zahnverlust minimiert wird.

Gehen natürliche Zähne, beispielsweise durch einen Unfall, verloren, kommt es aufgrund der fehlenden Belastung mit der Zeit zum Knochenabbau. Ähnlich wie Muskeln, die nicht mehr trainiert werden, schwindet auch der Kieferknochen bei Nichtgebrauch. Zahnimplantate belasten den Kieferknochen wieder physiologisch, sie stimulieren den Knochen in ähnlicher Weise wie die eigenen Zähne, und beugen somit den Abbau des Kieferknochens vor.

Für die Realisierung des Knochenaufbaus wird deshalb vorausgesetzt, dass

  • eine längere Zahnlosigkeit vorliegt
  • Zahnersatz in Form von Zahnimplantaten gewünscht wird
  • eine Implantation nicht ohne einen Knochenaufbau realisierbar ist

Schwierig gestaltet sich eine Implantation, wenn der Kieferknochen weniger als 5mm breit und weniger als 8–10mm hoch ist. Dann kann dem Zahnimplantat nicht genügend Halt geboten werden. Je höher und dicker der Kieferknochen also ist, desto besser sind die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Einsetzen von Zahnimplantaten. Je nach Restdicke des Kieferknochens wird daher individuell ein passendes Verfahren zum Kieferaufbau gewählt.

Welche Gründe gibt es für Knochenabbau?

Die Notwendigkeit für einen Knochenaufbau kann unterschiedliche Ursachen haben. Meist ist es eine Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodontitis), die den Abbau des Kieferknochens hervorruft. Aber auch Zähne, die gezogen oder verloren gegangen sind, können für einen Knochenabbau verantwortlich sein.

Möglich ist auch, dass der Kieferknochen sich erst nach einer Implantation abbaut. Dann hat sich in Folge einer Periimplantitis der Bereich um das Implantat herum entzündet, wodurch die bakterielle Entzündung auch in den Kieferknochen gelangen konnte. In manchen Fällen genügt es, das Implantat freizulegen und die Entzündung zu entfernen. In anderen Fällen muss das Implantat entfernt werden, da der Knochen ggfs. wieder aufgebaut wird, um das Zahnimplantat wieder fest im Kiefer verankern zu können.

Von Knochenschwund sind häufig Angstpatienten sowie ältere Patienten betroffen. Da Angstpatienten oftmals den frühzeitigen Besuch beim Zahnarzt hinauszögern, versäumen sie dadurch eine rechtzeitige Behandlung. Ältere Patienten sind durch den bereits vorhandenen Zahnersatz anfälliger für Knochenschwund. Besondere Vorsicht ist bei Prothesenträgern deshalb geboten, da der Zahnersatz eine unnatürliche Druckbelastung auf den Zahnhalteapparat ausübt und sich somit der darunterliegende Kieferknochen abbaut. Dabei ist aufgrund der unverhältnismäßigen Druckverteilung der Unterkiefer meist stärker vom Knochenschwund betroffen als der Oberkiefer.

Schweregrade des Knochenabbaus

Die unterschiedlichen Stadien eines Knochenabbaus werden in sogenannte Resorptionsklassen kategorisiert. Im Allgemeinen wird die entstandene Schädigung am Kieferknochen in sechs Klassen unterteilt. Dabei stellt Klasse 1 den Kiefer im noch bezahnten Stadium mit geringen Knochendefiziten dar, während Klasse 6 eine extreme Volumen- und Größenabnahme des bereits unbezahnten Kieferknochens und somit einen hohen Behandlungsbedarf aufweist.

Anhand dieser Kategorisierung können die notwendige Therapie und der Umfang des Knochenaufbaus bemessen werden. Je weiter der Knochenschwund fortgeschritten ist, desto komplexer wird der Knochenaufbau. Das heißt, der operative Eingriff gestaltet sich im zunehmenden Stadium der Erkrankung anspruchsvoller und erfordert dementsprechend mehr Behandlungs- sowie Einheilzeit. Auch die Behandlungsmethode sowie die Wahl des jeweiligen Knochenersatzmaterials können davon abhängig sein.

Das Knochenersatzmaterial für einen Knochenaufbau

Die moderne Zahnmedizin bietet vielfältige Möglichkeiten, den natürlichen Kieferknochen zu ersetzen. Hierfür kommen unterschiedliche Knochenersatzmaterialien in Frage, deren Einsatz zum einen von dem jeweiligen Grad des Knochenschwunds, zum anderen von den persönlichen Kriterien und den Vorlieben des Behandlers abhängen. Denn jedes Material weist unterschiedliche Voraussetzungen auf und bedarf eines erfahrenen Umgangs.

Heutzutage wird in erster Linie Knochenersatzmaterial in Form von Eigenknochen oder synthetischem Material verwendet. Beide Materialien sind für den Körper unbedenklich und werden von diesem gut angenommen. Darüber hinaus gibt es auch spezielle Techniken wie das Bone Splitting und das Bone Spreading, die einen Knochenaufbau ermöglichen, ohne direkt Ersatzmaterial nutzen zu müssen.

Weitere Informationen über die verschiedenen Arten von Ersatzmaterial sowie ihre Eigenschaften finden Sie in der Rubrik: Knochenersatzmaterial für Knochenaufbau.

Welche Behandlungsmethoden werden bei Knochenaufbau eingesetzt?

Die Wahl der geeigneten Behandlungsmethode für den Knochenaufbau des Kiefers hängt vor allem von der Art des Knochendefizits ab. So kann der Kieferknochen für die eine Behandlungsmethode zu schmal oder zu niedrig sein, weshalb eine andere Methode gewählt werden muss. Außerdem kommt es darauf an, an welcher Stelle im Mund (Oberkiefer, Unterkiefer, Front- oder Seitenzahnbereich) sich der Mangel an Knochenmasse befindet. Aufgrund der unterschiedlichen Struktur der Knochen sind z.B. einige Besonderheiten bei Implantaten im Oberkiefer sowie Implantaten im Unterkiefer zu beachten.

Vor allem im Seitenzahnbereich ist das Knochenangebot für eine Implantation meist ungünstig und dadurch, dass die Kieferhöhle so viel Raum im Oberkiefer einnimmt, wird in vielen Fällen ein Knochenaufbau im Oberkiefer notwendig. Häufig angewandte Techniken und Methoden für einen Knochenaufbau sind beispielsweise:

  • Sinuslift
  • Nasenbodenelevation
  • Socket-Preservation
  • Trapdoor Technik
  • Bone Spreading und Bone Splitting (Kieferknochenverbreiterung)
  • Distraktionsosteogenese (Kieferknochenerhöhung)
  • Auflagerungsosteoplastik mittels Eigenknochen (Kieferkamm-Augmentation)

Eine informative Erläuterung mit den Vor- und Nachteilen der einzelnen Verfahren finden Sie in der Rubrik Knochenaufbau Methoden Ob Sinuslift, Trapdoor Technik oder eine andere Methode wird individuell entschieden und Ihr Zahnarzt informiert Sie über das jeweilige Vorgehen.

Sind alle Voruntersuchungen getroffen, die Vor- und Nachteile der jeweiligen Methode für den Patienten abgewogen und die Planung durch den Zahnarzt abgeschlossen, muss zudem entschieden werden, ob eine Sofortimplantation oder eine Spätimplantation erfolgen soll. Diese Entscheidung ist unter anderem von den Kiefergegebenheiten und chirurgischen Gesichtspunkten abhängig.

Welche Risiken gibt es beim Knochenaufbau?

Im Allgemeinen ist ein Knochenaufbau mit nur wenigen Risiken verbunden, deren Auftreten zudem sehr gering ist. Ein Knochenaufbau wird in aller Regel gut vertragen und ist von den Beschwerden her mit einer Zahnextraktion (Zahnentfernung) vergleichbar. Allerdings kann ein geringes Restrisiko für Komplikation nicht ausgeschlossen werden, sodass für einen Knochenaufbau die gleichen Risiken bestehen wie für jeden anderen medizinischen Eingriff.

Mögliche Komplikationen sind beispielsweise:

  • Infektionen
  • Entzündungen
  • Wundheilungsstörungen
  • Abstoßung des Knochenersatzmaterials

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Knochenersatzmaterial nicht richtig mit dem natürlichen Knochen verwachsen kann und wieder entnommen werden muss, ist allerdings sehr gering. Durch eine präventive Antibiotikagabe wird direkt nach dem Knochenaufbau diesen möglichen Restrisiken vorgebeugt.

Unter Umständen kann es während des Eingriffs passieren, dass die Membran, die die Nasen- und Kieferhöhle voneinander trennt oder der Unterkiefer- und Zungennerv verletzt wird. Eine Verletzung der Membran kann mit entsprechenden Gegenmaßnahmen direkt versorgt werden. Im Fall einer Verletzung des Nervs kann sich ein vorübergehendes Taubheitsgefühl der Unter- oder Oberlippe einstellen. Nur sehr selten bleibt dieser Zustand dauerhaft.

Wie lange dauert die Heilung nach Knochenaufbau?

Während der eigentliche Eingriff für den Knochenaufbau im Schnitt bei 1-2 Stunden liegt, müssen Patienten bezüglich der Heilungsdauer (der fachlich korrekte Ausdruck ist Einheilung) mehr Geduld mitbringen. Denn damit das eigentliche Implantat eingesetzt werden kann, muss der Aufbauprozess des Knochens erfolgreich vollendet sein. Bis der Knochen die entsprechende Festigkeit erlangt hat, können zwischen 3-6 Monate vergehen. Auch nach dem Einsetzen des Implantats sind wieder einige Monate der Ruhe und Einheilung nötig, bevor der Kiefer wieder voll belastet werden darf.

Bei leichten Knochendefekten können der Knochenaufbau und das Einsetzen des Implantats innerhalb eines Eingriffs vorgenommen werden. In diesem Fall ist die Einheilungszeit in Summe verständlicherweise kürzer als bei mehreren Eingriffen.

Welche Alternativen gibt es zum Knochenaufbau?

Als konservative Alternative zum Knochenaufbau ohne Zahnimplantate, können klassische Formen eines Zahnersatzes wie Zahnbrücken, Kronen und Prothesen eingesetzt werden. Je nach Ausgangssituation (fehlender Einzelzahn, Restbezahnung, Freiendsituation oder komplette Zahnlosigkeit; vgl. Rubrik Implantat-Situationen / Implantat-Szenarien), muss abgewogen werden, welche Form des Zahnersatzes den restlichen gesunden Zähnen am nächsten kommt.

Bei konventionellen Brücken müssen beispielsweise mindestens zwei gesunde und kariesfreie Zähne geschliffen werden, wobei die Folge ein irreparabler Substanzverlust ist. Der Einsatz von Zahnimplantaten bietet im Vergleich zum konservativen Zahnersatz stets einen höheren Komfort und beugt Knochenabbau sowie einer Fehlbelastung der übrigen natürlichen Zähne vor.

Möchte man jedoch nicht auf herausnehmbaren Zahnersatz zurückgreifen, sondern mehr Lebensqualität durch den Tragekomfort und die Sicherheit von Zahnimplantaten erhalten, gibt es speziell für den Oberkiefer Implantate (sogenannte Zygoma-Implantate), die aufgrund ihrer Länge und Positionierung auch bei und trotz bereits vorhandenem Knochenschwund im Oberkiefer eingesetzt werden können. Eine weitere implantatgestützte Alternative zum Knochenaufbau ist das All-on-4® Konzept, bei dem eine Prothese mittels einer Stegkonstruktion auf 4 Implantaten pro Kiefer verankert wird. Teilweise funktioniert das Konzept auch (je nach Kiefersituation) mit 2, 6 oder 8 Implantaten.

Wie hoch sind die Kosten für Knochenaufbau?

Die Kosten für einen Knochenaufbau können sehr unterschiedlich ausfallen und werden durch folgende Faktoren beeinflusst:

  • Die Menge des aufzubauenden Knochens
  • Die Art der gewählten Methode
  • Die Schwierigkeit aufgrund der Position, an der ein Knochenaufbau nötig ist
  • Das verwendete Knochenersatzmaterial und entsprechende Fremdkosten
  • Ggfs. Operationskosten bei Eigenknochen
  • Die Dauer der Behandlung und damit das Honorar des Behandlers
  • Kosten für diagnostische Maßnahmen, z.B. 3D-Aufnahmen des Kiefers (Digitale Volumentomographie)

Auch eventuelle Behandlungen zur Wiederherstellung der Zahngesundheit (z.B. Parodontitisbehandlung) oder die Art des verwendeten Implantats beeinflussen die Kosten für Knochenaufbau, Implantation und letztlich der gesamten Behandlung.

Empfehlenswert ist es daher, dass Patienten sich den Heil- und Kostenplan von ihrem Zahnarzt genauestens erläutern lassen und darauf achten, welche Leistungen und Materialien der jeweilige Behandler anbietet. In der Regel ist mit Kosten im drei- bis vierstelligen Bereich zu rechnen. Für einen internen Sinuslift beispielsweise belaufen sich die Kosten auf ca. 400-800 Euro. Die Knochenanlagerung variiert preislich stark mit den verwendeten Materialien, weshalb Sie mit Kosten zwischen 50-400 Euro rechnen müssen. Vergleichsweise teuer ist ein Beckenkammtransplantat, da hier ein Krankenhausaufenthalt mit einberechnet wird und sich die Kosten somit auf 4000-5000 Euro belaufen.

Wie ist die Kostenübernahme für Knochenaufbau geregelt?

Die Kosten für den Knochenaufbau werden von gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Sind Sie bei einer privaten Krankenkasse versichert, sollten Sie sich bei der Krankenkasse informieren, welche Behandlungen übernommen werden. Besteht eine Zahnzusatzversicherung, lohnt sich auch hier ein Blick in den Vertrag oder die direkte Nachfrage bei der Versicherung.

Ist die Behandlung für Knochenaufbau im Ausland sinnvoll?

Mitunter kann es sich finanziell lohnen, Dienstleister aus dem Ausland zu kontaktieren. Im Idealfall muss hier nicht auf Qualität verzichtet werden und unter Umständen lässt sich ein kleiner oder größerer Teil der Kosten einsparen. Die Vor- und Nachteile von sogenanntem Zahntourismus sollten im Vorfeld allerdings gut abgewogen werden.

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Zuletzt aktualisiert am: 17.08.2021

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Simone Jansen-Schick
Dr. Simone Jansen-Schick über:

Knochenaufbau für Implantate

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