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Zahnimplantate bei Patienten mit Medikamenten gegen Knochenabbau und Knochenmetastasen (Bisphosphonate)

Risikoeinschätzung einer Implantation von Patienten unter antiresorptiver Therapie

Die Versorgung mit Zahnimplantaten hat sich als eine wesentliche therapeutische Option bei Zahnverlust bzw. Zahnlosigkeit etabliert. Dabei ist vor allem eine umfassende Nutzen- und Risikoabschätzung für jeden Patienten wichtig, die allgemeine Erkrankungen und bestehenden medikamentöse Therapien mit einbezieht. Besonders bei Patienten, die mit sogenannten Knochen-Antiresorptiva, also Medikamenten gegen Knochenabbau und -metastasen (meist Bisphosphonate) behandelt werden, muss das Pro und Contra einer implantologischen Versorgung überdacht werden.

Was sind Bisphosphonate und wie stehen sie mit Implantaten in Zusammenhang?

Unter der Bezeichnung Knochen-Antiresorptiva werden unterschiedliche Medikamente zusammengefasst, die zur Behandlung von Osteoporose, Knochentumoren und Knochenmetastasen bei Krebspatienten eingesetzt werden. Als Hauptvertreter dieser Medikamentengruppe zählen verschiedene Bisphosphonate. Ihre Aufgabe ist es den Knochenstoffwechsel zu verlangsamen und damit dem krankhaften Knochenabbau entgegenzuwirken.

Als eine Begleiterscheinung bei Patienten, die eine Bisphosphonattherapie machen, kann sich eine Kiefernekrose herausbilden. Man spricht dann auch von einer bisphosphonatassoziierten Knochennekrose (Osteonekrose). Diese Nekrose des Kieferknochens ist meist schwer zu therapieren, wodurch für betroffene Patienten das Komplikationsrisiko erhöht ist. Darüber hinaus können Bisphosphonate die Einheilung von Implantaten sowie jegliche Heilvorgänge im Kieferknochen behindern.

Die Entwicklung einer Kiefernekrose variiert immer in Abhängigkeit der Grunderkrankung, sodass stets ein individuelles Risikoprofil des Patienten vorliegt. So ist einer von 1000 Patienten mit idiopathischer Osteoporose und jeder zehnte Krebspatient von einer bisphosphonatassoziierten Kiefernekrose betroffen. Bei schweren Krankheitsverläufen ist das Risiko für eine Kiefernekrose deutlich erhöht.

Bei den meisten bisphosphonatassoziierten Kiefernekrosen sind ihre Auslöser in der Mundhöhle zu finden. Dazu zählen beispielsweise

  • Prothesendruckstellen
  • Parodontitis
  • chirurgische Eingriffe wie z.B. Wurzelbehandlung oder Zahnextraktion
  • Applikationsform des Biophosphonats (oral oder intravenös)

Eine ambivalente Stellung nimmt dabei die Implantation eines Zahnimplantats ein. So kann das Setzen eines Implantats ebenso eine Kiefernekrose auslösen und zugleich auch Risikofaktoren und Auslöser wie Prothesendruckstellen vermeiden, wodurch sich letztlich die Implantation positiv auswirken und das Kiefernekroserisiko senken kann.

Implantate trotz Bisphosphonate? – Wie eine Implantation gelingen kann

Wenn eine Behandlung mit Bisphosphonaten Osteonekrosen und Komplikationen auslöst, wie ist dann noch eine erfolgreiche Implantation möglich? Das Setzen von Zahnimplantaten bei Patienten unter/nach antiresorptiver Therapie ist nicht von vornherein ausgeschlossen. Die moderne Zahnmedizin weiß um die Risiken, die eine Biophosphonat-Medikation für die Implantation mit sich bringt und bietet verschiedene Therapielösungen an. Um eine Implantation erfolgreich zu realisieren, bedarf es immer einer sorgfältigen Diagnostik und Risikoeinschätzung.

Risikobewertung von Implantaten bei Bisphosphonat-Patienten

Um entscheiden zu können, ob eine implantatgetragene Versorgung sinnvoll ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-Mund und Kieferzahnheilkunde (DGZMK) geben hierzu regelmäßig Leitlinie heraus, die den behandelnden Zahnarzt bzw. Implantologen bei der Risikoeinschätzung unterstützen. Generell gilt es bei der Risikobewertung für Patienten unter/nach antiresorptiver Therapie zunächst die Grunderkrankung des Patienten und ihr Ausmaß zu bewerten.

Dabei spielen vor allem die Dauer der bestehenden Bisphosphonat-Therapie wie auch die Verabreichungsform eine Rolle. So ist das Risiko für eine Kiefernekrose bei einer intravenösen Verabreichung höher als bei einer oralen Tabletteneinnahme, weshalb bei betroffenen Patienten von einer Implantation abgeraten wird. Weitere Faktoren wie Allgemeinerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus), mögliche andere Medikationen und die Motivation sowie das Engagement des Patienten müssen ebenso im Voraus abgeklärt werden wie etwaige Wundheilungs- und/oder Gerinnungsstörungen.

Nicht zuletzt muss aber auch in jedem individuellen Fall eine Risiko-Nutzen-Einschätzung der Implantation selbst erhoben werden. Es gilt dabei vor allem zu klären, inwieweit die Versorgung mit Zahnimplantaten, trotz bestehender anderer Faktoren, das Kiefernekroserisiko dennoch reduzieren kann und sich damit als die sinnvollere Alternative zu herkömmlichem Zahnersatz erweist. Gemeinsam mit dem Patienten gilt es dann die individuellen Kriterien und Bedürfnisse zu beurteilen und das Für und Wider abzuwägen.

Nachsorge bei Zahnimplantaten bei Bisphophonattherapie

Überwiegt der prothetische Funktionsgewinn der Implantation das Osteonekroserisiko, so kann eine Versorgung mit Zahnimplantaten geplant werden. Bereits während der anfänglichen Diagnostik und Risikobewertung sind alle Behandlungsmaßnahmen, die den Behandlungserfolg sichern, absehbar. So muss neben einer sorgfältigen Implantatationsplanung vor allem auch eine gewissenhafte Nachsorge erfolgen.

So ist ein regelmäßiger Recall in der Zahnarztpraxis wichtig, um die Zahngesundheit sowie den Implantatbereich zu kontrollieren. Auf diese Weise kann eine Kiefernekrose frühzeitig erkannt bzw. vorgebeugt werden. Darüber hinaus ist auch die Mundhygiene wichtig. Patienten, die eine Implantate erhalten und eine Bisphosphonat-Behandlung machen, müssen sich weitaus gründlicher und gewissenhafter um ihre Zahnpflege sorgen. Einerseits, um die allgemeine Zahngesundheit aufrecht zu erhalten und andererseits, um einen Implantatverlust zu vermeiden.

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Zuletzt aktualisiert am: 25.02.2020

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Dr. Achim Schmidt, M.Sc. M.Sc. über:

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