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Zahnimplantate für Risikopatienten

Zahnimplantate sind heutzutage eine außerordentlich sichere Therapie mit einer Erfolgsrate von über 95 Prozent. Dennoch gibt es immer Dinge, die insbesondere in Hinsicht auf die Langlebigkeit und den nachhaltigen Therapieerfolg verbesserungswürdig sind, denn jedes Zahnimplantat hat drei Problemzonen. Diese drei Problemzonen können aber bei Risikopatienten, wie beispielsweise Dialysepatienten, Patienten mit einem schweren Diabetes, starken Rauchern oder Patienten mit onkologischen Problemen erfolgsentscheidend sein.

Die drei Problemzonen bei Zahnimplantaten

An den unteren Schraubenteil eines Zahnimplantats wächst der Knochen an. Um die Verbindung zwischen Implantatoberfläche und Knochen so innig wie möglich zu machen, wurde in den letzten Jahren viel Forschung bezüglich der Oberflächengestaltung betrieben. Die heutigen angerauten (geätzt und säurebehandelt) Oberflächen fördern das Knochenwachstum und die Verbindung zwischen Implantat und Knochen. Vergessen wird jedoch häufig dabei, dass es sich hier um einen direkten Kontakt zwischen einer metallischen Oberfläche und lebenden Knochenzellen handelt. Eine Diffusion von Metall-Ionen in das Knochengewebe hinein kann also nicht ausgeschlossen werden.

Diffusionsbarriere für gefährliche Verunreinigungselemente wie Nickel und Zinn

Das Standardmaterial für heutige Zahnimplantate ist Titan, sogenanntes Reintitan Grade4. Leider gehören zu den natürlichen Verunreinigungselementen von Titan die Metalle Nickel und Zinn. Diese findet man zwar nur in sehr geringen Mengen in Reintitan, das kann aber bei empfindlichen Patienten durchaus negative Auswirkungen haben. Es ist noch Gegenstand der Forschung, ob es sich bei der sogenannten "Titanallergie" von der häufig gesprochen wird, nicht tatsächlich um eine Allergie gegen Nickel oder Zinn handelt. Allergische Reaktionen ausschließlich gegen Titan konnten bis dato nicht nachgewiesen werden.

Um sicher zu verhindern, dass ungewünschte Metall-Ionen in den lebenden Knochen gelangen, muss die metallische Oberfläche mit einer ausreichend dicken, festhaftenden und dichten Titan-Oxidschicht bedeckt sein. Das genau ist die erste Anforderung an Zahnimplantate für Risikopatienten.

Problemzone No. 2 bei Zahnimplantaten

Die zweite Problemzone befindet sich bei Zahnimplantaten an der Verbindungsstelle zwischen dem im Knochen befindlichen Implantatteil, also der künstlichen Zahnwurzel, und dem Aufbauteil, auf das später die Zahnkrone oder Prothese montiert wird. Nicht alle Zahnimplantate bestehen aus zwei Teilen, aber mehr als 90 Prozent der gesetzten Zahnimplantate sind so konstruiert.

Die Bakterien-Dichtheit an dieser Verbindungsstelle ist die zweite Problemzone. Hier gilt es zu verhindern, dass auf Dauer schädliche und entzündliche Bakterien in das Innere des Implantatkörpers eindringen können. Implantologisch tätige Zahnärzte können ein Lied davon singen, wie fürchterlich es stinkt, wenn Implantataufbauten nach längerer Tragezeit demontiert werden. Dieser Gestank wird durch Bakterien verursacht, die sich im Inneren des Implantats angesiedelt haben.

In den letzten Jahren wurden viele Untersuchungen zu dieser Problematik unternommen und es existieren mehrere Lösungsansätze. Einer der Lösungsansätze ist die sogenannte "Schweizer-Uhr-Dichtung“. Sie verhindert Mikrobewegungen zwischen Zahnimplantat und Zahnimplantat-Aufbau. Das damit verbundene Eindringen ungewünschter Bakterien in das Innere des Implantats wird ebenfalls unterbunden. Die dort eingedrungenen Bakterien können zudem zur sogenannten Periimplantitis und damit langfristig, speziell bei Risikopatienten, zum Implantatverlust führen.

Die dritte Problemzone

Bei der dritten Problemzone handelt es sich um den aus dem Knochen herausragenden Implantataufbau. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist gerade die Mundhöhle vollständig mit Bakterien besiedelt. Genau das ist das Problem für die Langlebigkeit eines Zahnimplantats im Mund. Die Bedeutung der Oberflächengestaltung des Implantataufbaus wurde lange vernachlässigt. Einerseits soll sich die Mundschleimhaut gut anheften, andererseits soll die Plaque-Akkumulation so weit wie möglich reduziert werden. Beides dient der Vermeidung der Besiedlung schädlicher Bakterien (Plaque-Akkumulation) und damit der Vermeidung der Periimplantitis.

Um beide Eigenschaften, also eine gute Weichgewebsanhaftung und eine Vermeidung der Plaque-Akkumulation, zu erreichen, bedient man sich einer Zirkonnitrid-Hartstoffschicht. Sie ist im Vergleich zu reinem Titan zehnmal härter und besitzt eine extrem hohe Abriebfestigkeit. Die Zirkonnitrid-Hartstoffschicht wird durch ein High-Tech-Verfahren, dem sogenannten Physical Vapor Deposition (PVD) aufgebracht. Die Oberflächen von Zirkonnitrid sehen aus wie Gold.

Zirkonnitrid-Hartstoffschichten sind die Lösung

Die goldene Farbe des Implantataufbaus macht es im Übrigen dem Zahntechniker sehr viel leichter, ein ästhetisch befriedigendes Ergebnis zu erreichen. Diese harte Zirkonnitridschicht fördert die Weichgewebsanhaftung und gleichzeitig vermindert sie die Plaque-Akkumulation. Sie wirkt also entzündungshemmend. Damit wird die Gefahr der Periimplantitis deutlich verringert und die Chance auf die Langlebigkeit des Zahnimplantats signifikant erhöht.

Jeder Zahnimplantat-Patient ist gut beraten, wenn er regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung in Anspruch nimmt. Dabei wird der aus dem Knochen herausragende Zahnimplantat-Aufbau von der Dentalhygienikerin mechanisch gereinigt. Die harte Zirkonnitrid-Schicht verhindert dabei, dass die Oberfläche durch den mechanischen Reinigungsvorgang verletzt wird und damit den Plaque-Anlagerungen neue Angriffs- und Besiedelungsfläche geboten wird. Bei Risikopatienten ist diese Problematik besonders bedeutend, weil Risikopatienten in der Regel eine deutlich schwächere Immunabwehr besitzen.

Fast alle Zahnimplantate sind periimplantitisgefährdet

Unter Periimplantitis versteht man einen entzündlichen, meist irreversiblen Prozess, der sich um das Gewebe eines in Funktion befindlichen Implantats herum befindet. Unbehandelt führt das unweigerlich zum Verlust von Stützknochen (Knochenschwund) und damit letztendlich zum Verlust des Implantats. Die Menge an sogenannten "späten Implantatverlusten" sind nicht zu unterschätzen und können zu einem wesentlichen Teil auf die zerstörerische Wirkung einer Periimplantitis zurückgeführt werden.

Natürlich gibt es auch andere Ursachen eines so genannten "späten Implantatverlustes", wie beispielsweise eine falsche funktionelle Belastung der Prothetik und mangelnde Inanspruchnahme der professionellen Nachsorge. An diesen Ursachen des Implantatverlustes können weder die Implantatgeometrie noch das Design der Implantatoberfläche etwas ändern. Im Wesentlichen aber führt gerade eine Periimplantitis bei Patienten mit einem schweren Diabetes, Dialysepatienten und Patienten mit einer eingeschränkten Immunabwehr zum vorzeitigen Verlust des Implantats.

Drei Vorteile in kurzen Worten

Spezielle Zahnimplantate für Risikopatienten mit den oben genannten Eigenschaften bewirken die deutliche Eindämmung der Gefahr einer Periimplantitis und der dadurch verursachten Implantatverluste. Ihre Hochleistungs-Eigenschaften

  • Diffusionsbarriere gegen gefährliche Titan-Begleitelemente
  • Dichter Abschluss zwischen Implantatkörper und Aufbau
  • Harte Anti-Plaque-Beschichtung des Implantataufbaus

bieten den betroffenen Risikopatienten die Chance einer deutlich gesteigerten Langlebigkeit des Zahnimplantats. Sie müssen auf die Vorteile eine Zahnimplantat-Behandlung und die damit verbundene Steigerung der Lebensqualität nicht verzichten.

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Zuletzt aktualisiert am: 25.02.2020

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Achim Schmidt
Dr. Achim Schmidt, M.Sc. M.Sc. über:

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